Traditionell besteht das Taekwondo lernen aus verschiedenen Elementen, welche sorgsam aufeinander abgestimmt sind und in ihrer Gesamtheit eine moderne, sportlich herausfordernde und wirksame Kampfkunst bilden. Der Weg vom ersten Taekwondo Kurs am Wochenende zum Taekwondo Meister ist zwar lang und steinig, aber es lohnt sich in jedem Fall, die Herausforderung anzunehmen. Es wird Euren Körper genauso formen, wie Euer Selbstbewusstsein. Im Folgenden stellen wir euch typische Trainingshalte vor und welche Übungen zuhause nachgemacht werden können.

Taekwondo Training

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Videos vom Taekwondo Training

In den folgenden Videos seht Ihr, wie weit euch die Taekwondo-Kampfkunst bringen kann und zu was Profis fähig sind – aber lasst euch nicht einschüchtern, jeder fängt mal vorne an.

Schwarzgurt beim Training

Training im Taekwondo

Taekwondo Talente beim Training

Ablauf eines typischen Taekwondo Trainings

1. Die Begrüßung Wie beim Karate und Judo ist es auch im Taekwondo Brauch, sich an der Schwelle zur Halle (Dojang) vor dem Trainingsraum, dem Trainer und Mitschülern zu verneigen. Dies gilt auch, wenn Ihr der erste Anwesende seid.

Zur eigentlichen Begrüßung wird sich dem Trainer gegenüber in einem Block aufgestellt. Die erfahrensten Schüler stehen dabei rechts vorn und als neuer Schüler müsst Ihr Euch ganz links hinten hinstellen. Der ranghöchste Schüler grüßt anschließend den Trainer mit den Worten „Charyot, Kyosa-nim, kyong-ye“ (ab 4. Dan aufwärts „Charyot, Sabum-nim, kyong-ye“) und es folgt eine Verbeugung.

Dann folgt der Gruß an die Fahnen. Hier dreht Ihr Euch zu den Fahnen um und der ranghöchste Schüler spricht „Kuk-ki, keterio, kyong-ye“. Anschließend wird sich zu den Fahnen (im Dojang meist deutsche und koreanische Fahne, beim Wettkampf koreanische Fahne und Fahne des Gastgeberlandes) verbeugt. Dieser Gruß wird manchmal auf den Fahnenappell aus der Zeit zurückgeführt, als Dangsudo hauptsächlich ein Militärsport war.

Es existieren wohl auch Vereine und Verbände, in denen die Begrüßung in einer Reihe sitzend wie im Karate und Judo durchgeführt wird. Im Zweifelsfall solltet Ihr vorher beim Trainer nachfragen oder einfach beide Varianten kennen, um nicht gleich am ersten Tag aus der Reihe zu fallen.

2. Aufwärmen Nach der Begrüßung folgt das Aufwärmen, wobei der Schwerpunkt im Taekwondo auf das Aufwärmen der Beinmuskeln gelegt wird. Das kommt daher, dass die umfangreiche Beinarbeit im Taekwondo eine besondere Belastung für Fuß-, Hüft- und Oberschenkelmuskeln darstellt. Die hoch ausgeführten Fußtechniken können schnell zu einer Verletzung Im Bereich der Hüfte führen, wenn der Körper nicht vernünftig aufgewärmt wird.
3. Dehnübungen
Nach dem Aufwärmen folgen, wie in jedem Sport, einige kurze Dehnübungen. Diese beiden Phasen nehmen in der Regel etwa die erste halbe Stunde des Trainings ein.
4. Theorie Einen Teil Theorie wird der Trainer in die Trainingseinheit immer mit einbauen, da diese ja für Training und Prüfung unerlässlich ist. Dazu zählen die Kenntnis der Namen aller Techniken und Grundlagen des Notwehrrechts.

Diese wird allerdings nicht, wie in der Schule, am Stück und im Sitzen stattfinden, da hierbei die Muskeln zu sehr auskühlen. Vielmehr wird der Trainer das theoretische Wissen an sinnvollen Stellen im Training einbauen, beispielsweise während einer kurzen Trinkpause. Das hält die Konzentration und den roten Faden des Trainings aufrecht.

5. Grundschule In der Grundschule trainiert Ihr einzelne Techniken und auch Kombinationen, normalerweise mit mehreren Wiederholungen. Der Fokus liegt hier auf der ordnungsgemäßen Ausführung von Bewegungsabläufen, der richtigen Anwendung der Fußpositionen und der Verinnerlichung der Techniken. Ihr sollt ein Gefühl dafür bekommen, wie Euer Körper funktioniert, um die Techniken im späteren Verlauf sozusagen blind zu beherrschen.
6. Formenlauf Der Formenlauf entstammt dem Karate und ist deshalb der Kata im Karate sehr ähnlich. Dieser Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner wirkt für einen Beobachter oft wie sinnlos aneinandergereihte Techniken, hat aber immer einen tieferen Sinn. Wenn Ihr Euch eingehender mit den Formen beschäftigt, werdet Ihr besser verstehen, warum die Großmeister diese erfanden.
7. Einschrittkampf Der Einschrittkampf, als erste Form des Kampfes gegen einen Trainingspartner, soll Euch erste Erfahrungen für die Distanz eines Angriffes und das Gefühl eines Blocks vermitteln. Die Angriff werden hierbei angesagt, sodass Ihr Euch auf das saubere Ausführen der Technik konzentrieren könnt. Es existieren auch der Zwei- und Dreischrittkampf, wobei diese Formen seltener Verwendung finden.
8. Bruchtest Ein bekanntes Sinnbild für asiatische Kampfsportarten bildet der Bruchtest, der im Taekwondo tatsächlich Teil des Trainings ist. Dabei werdet Ihr lernen, Bretter mit Taekwondo Techniken zu zerstören, während Steine für die reine Show verwendet werden und im Training keinen Platz haben. Die Stärke und das Material der Bretter sind für die Gürtelprüfungen exakt vorgeschrieben.
9. Freikampf Im Freikampf ist das Ziel, ein Gefühl für das Fluss eines Kampfes zu entwickeln und Euch, falls nötig, auf einen Wettkampf vorzubereiten. Er kann berührungslos ohne Schutz oder mit Treffern und Schutzausrüstung stattfinden. In jedem Fall ist es nicht das Ziel, den Gegner gewaltsam auf die Matte zu schicken, sondern regelkonform und mit sauberen Taekwondo Techniken zu gewinnen.

Je nach Spezialisierung des Vereins wird auf verschiedene Disziplinen mehr Wert gelegt, als auf den Rest. Ein Wettkampfverein wird vermehrt Freikämpfe trainieren, während ein auf öffentlich Shows ausgelegter Verein an Bruchtests arbeitet. Jeder Körper passt sich an verschiedene Belastungen anders an, also könnt Ihr unmöglich vorher sagen, welches Training Euch den meisten Spaß macht und Euch am Weitesten bringt. Findet also in der Praxis für Euch selbst heraus, wo Eure Stärken liegen.

Fazit: Taekwondo zur Selbstverteidigung geeignet?

Taekwondo ist keine Sportart, die sich für das Ausfüllen gelegentlicher Langeweile eignet. Vielmehr müsst Ihr viel Zeit und Arbeit investieren, um Euren Körper auf das passende Niveau zu bringen und ihn auch dort zu halten. Die größere Schwierigkeit wird Euch hier bei den Fußtechniken begegnen, da Ihr für die unterschiedlichen Fußtritte diverse Muskeln benötigt, welche Ihr im Alltag nicht benutzt.

Generell können fast alle Taekwondo Techniken zur Verteidigung im Ernstfall genutzt werden, denn nur wenige von ihnen sind im Wettkampf besser geeignet. Vorsicht ist bei Beintechniken mit Schuhen allerdings geboten, da diese schwere Schäden verursachen können, wenn sie beispielsweise das Gesicht treffen. Die Kenntnis des Notwehrrechts ist daher unverzichtbar, wenn Ihr Taekwondo in einem Ernstfall benutzen wollt.

Ein Teil des Trainings besteht in der Simulation einer Selbstverteidigung. Das heißt, dass Ihr üben werdet, Euch aus verschiedenen Situationen sinnvoll und ohne übermäßige Gewaltanwendung zu befreien. Auch die Abwehr von Stock- und Messerangriffen werdet Ihr mit erlernen, obwohl die beste Verteidigung gegen bewaffnete Gegner ja meist in der Flucht besteht.

Das grundsätzliche Erlernen der verschiedensten Beintechniken sollte, je nach Fitness, einige Monate bis ein Jahr dauern. Damit ist jedoch nur das Lernen gemeint, denn von wettkampfreicher Perfektion sprechen wir hier noch nicht. Wenn Ihr Euch allerdings traut und das anstrengende Trainingsprogramm durchhaltet, werdet Ihr nach einem Jahr mit einer körperlichen Konstitution belohnt, die ihresgleichen sucht.

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