Ungefähr alle zwei Minuten versucht ein Eindringling in Deutschland in ein Haus einzubrechen. Bei über einem Drittel aller Fälle bleibt es bei dem reinen Einbruchsversuch, was in erster Linie den mechanischen Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken ist, die mittlerweile in vielen deutschen Haushalten Einbrechern den Zugriff deutlich erschweren. Mit derartigen Sicherheitselementen könnt ihr daher den Einbruchschutz in euren eigenen vier Wänden effektiv erhöhen, weil sich die Türen und Fenster nicht mehr einfach aufhebeln lassen.

Wie ihr eure Türen und Fenster sichern könnt, welche Förderungsmöglichkeiten es für den Einbruchschutz gibt und welche Maßnahmen ihr noch ergreifen könnt, um die Einbruchsicherheit zu erhöhen, erfahrt ihr in den folgenden Abschnitten.

Einbrüche: 5 Fakten zu Einbrüchen

Zunächst haben wir fünf Fakten zum Thema Einbrüche für euch zusammengestellt, damit ihr seht, dass dies ein sehr ernst zu nehmendes Problem ist:

  1. Im Jahr 2017 lag die Zahl an gemeldeten Einbrüchen bei 116.000. In Nordrhein-Westfalen stieg die Anzahl der Einbruchsversuche in den letzten Jahren um 38 Prozent, in Baden-Württemberg um 61 Prozent und in Bayern um 23 Prozent
  2. Insgesamt 41 Prozent der Tatverdächtigen in Einbruchsfällen kommen aus derselben Gemeinde wie das Einbruchsopfer. Neun Prozent der Einbrecher wohnen im selben Landkreis wie ihr Opfer. Weitere 19 Prozent der Einbruch-Tatverdächtigen leben im selben Bundesland wie das Opfer.
  3. Sehr viele Tatverdächtige sind zwischen 21 und 40 Jahren alt. Nur rund zwei Prozent sind 60 Jahre und älter oder 14 Jahre und jünger. Circa 85 Prozent aller Tatverdächtigen sind männlich
  4. Zu den beliebtesten Einbruchwerkzeugen gehören Hebelwerkzeuge wie Schraubendreher und Brecheisen. Auch Zangen, Bohrer, Hammer und Schlüssel werden für Einbrüche verwendet
  5. Natürliche Feinde eines Einbrechers sind wachsame Nachbarn, Licht und Hunde

Laut Angaben der Polizei verschaffen sich die Täter bei Einfamilienhäusern über Balkontüren oder Fenster Zutritt, während sie bei Mehrfamilienhäusern durch die Eingangstür eindringen. Eingeschlagene Fensterschreiben gibt es bei Einbrüchen heute kaum noch. Dies war früher, als die Einfachverglasung noch üblich war, eher der Fall. Oftmals sorgt schon der Abschreckungseffekt der Produkte zum Einbruchschutz dafür, dass der Täter es gar nicht erst versucht, sondern sich ein anders Objekt sucht. Einbrecher, die nach kurzer Zeit keinen Erfolg haben, geben fast immer auf. Ungesicherte Fenster und Türen sind hingegen keine Hürde: Es reicht ein normaler Schraubenzieher, um sie in Windeseile leise zu öffnen. Deshalb lohnt sich die Investition in einen guten Einbruchschutz auf jeden Fall.

Sicherheit bei Türen

Ganz egal ob Wohnungstür, Garagentor, Kellertür oder Haustür: Jede Tür bietet einem potentiellen Einbrecher die Gelegenheit, in eure Wohnung einzudringen. Deshalb sollten an all diesen Türen auch die Maßnahmen zum Einbruchschutz ansetzen.

Einbruchschutz mit RC-2-Türen

Wenn ihr neu baut oder plant, eure Türen auszutauschen, dann solltet ihr jede Tür, durch die man ins Haus kommen kann, mit Türen ab der Widerstandsklasse RC 2 ersetzen. Diese Türen wurden nach DIN EN 1627 auf ihre Einbruchhemmung geprüft und konnten somit erfolgreich nachweisen, dass sie in ihrer Gesamtkonstruktion inklusive Beschlag, Schloss, Zarge und Türblatt keine Schwachstellen aufweisen. Insgesamt wird laut DIN EN 1627 zwischen sieben Widerstandsklassen (resistance class = RC) unterschieden:

  • RC 1 N
  • RC 2 N
  • RC 2
  • RC 3
  • RC 4
  • RC 5
  • RC 6

Die Klassen RC 1 bis RC 3 eignen sich für den privaten Bereich, während die Klassen RC 4 bis RC 6 für den gewerblichen Einsatz von der Polizei empfohlen werden. Grundsätzlich rät die Polizei im normalen Privatbereich zu einem Einbruchschutz mit RC-2-Türen. Je nach eigenem Sicherheitsbedürfnis und dem Wert des Hausrates kommen aber auch Türen der Widerstandsklasse RC 3 in Frage.

Türen mit Nachrüst-Standard

Außerdem ist es denkbar, Türen einzusetzen, die zumindest mit Einbruchschutz-Merkmalen ausgestattet sind, die für die Nachrüstung von Elementen zum Einbruchschutz empfohlen sind. Dazu gehören:

  • Zylinderschlösser (Einsteckschlösser)
  • Profilzylinder mit Bohrschutz
  • Schutzbeschlag mit einer Zylinderabdeckung als Ziehschutz
  • Fallensperre
  • Türspion
  • Integrierte Türspaltsperre wie beispielsweise durch ein Kastenriegelschloss

Solch eine Tür konnte ihre Einbruchhemmung aber nicht als Gesamtelement in einer Prüfung unter Beweis stellen. Darüber solltet ihr euch im Klaren sein.

Einbruchschutz bei Türen nachrüsten

Wenn ihr vorhandene Türen nicht komplett austauschen möchtet, könnt ihr den Einbruchschutz auch nachrüsten. Die Polizei empfiehlt in diesem Zusammenhang vor allem Nachrüstsätze, Zusatzschlösser, Mehrfachverriegelungen mit Sperrbügel, Querriegelschlösser und Bandseitensicherungen. Auch Zylinderschlösser, Profilzylinder und Schutzbeschläge können die Einbruchsicherheit erhöhen.

Achtet immer darauf, dass die Elemente für den Einbruchschutz die notwendigen Zertifizierungen aufweisen. Schwache Türblätter sollten entweder gegen massive Türblätter ausgetauscht oder entsprechend verstärkt werden. Zudem ist ein Weitwinkelspion mit einem Winkel von wenigstens 180 Grad empfehlenswert. Auch eine Türsprechanlage, die gegebenenfalls mit einer Videokamera kombiniert wird, kann den Einbruchschutz erhöhen. Lasst Nebeneingangstüren mit massiven Schubriegeln oder starken Vorlegestangen aus Profilstahl oder Holz absichern. Diese sind im oberen und unteren Drittel der Tür anzubringen.

Sicherheit bei Fenstern

Auch bei Fenstern ist Einbruchschutz das A und O. Ob bei Neubauvorhaben, bei einem Fensteraustausch im Rahmen einer Sanierung oder als Nachrüstung bei vorhandenen Fenstern und Terrassentüren, der Einbruchschutz lässt sich in allen drei Fällen realisieren.

Fenster mit RC 2 und RC 2 N verbauen

Bei einem Neu- und Umbau ist es empfehlenswert, Fenstertüren und Fenster auszusuchen, die in puncto Einbruchhemmung nach DIN EN 1627 geprüft wurden. Diese Fenster wurden als Gesamtkonstruktion von Beschlag, Verglasung und Rahmen auf die Einbruchhemmung getestet. Auch bei Fenstern werden sieben Widerstandsklassen unterschieden:

  • RC 1 N
  • RC 2 N
  • RC 2
  • RC 3
  • RC 4
  • RC 5
  • RC 6

Grundsätzlich seid ihr genauso wie bei Türen mit der Widerstandsklasse RC 2 gut beraten, wenn ihr Fenster für den privaten Bereich auswählt. Sie verfügen über eine einbruchhemmende Verglasung, Pilzkopfzapfen-Beschläge und abschließbare Fenstergriffe. Auch Fenster der Widerstandsklasse RC 3 werden mitunter für private Wohnungen und Häuser gewählt. Sie verfügen über eine P5A-Verglasung, sodass der Widerstandswert noch höher ist.

Alternativ könnt ihr in Erwägung ziehen, RC-2-N-Fenster zu wählen. Bei ihnen fehlt die einbruchhemmende Verglasung, allerdings greifen Einbrecher nur sehr selten das Glas an, sodass diese Fenster dennoch sehr sicher sind. Pilzkopfzapfen-Beschläge und einen abschließbaren Fenstergriff bietet die Widerstandsklasse RC 2 N ebenfalls. Für die oberen Geschosse, die von Einbrechern nur mit einer Aufstiegshilfe wie einer Leiter oder einer Mülltonne erreicht werden können, genügen in der Regel Fenster der Widerstandsklasse RC 1 N.

Fenster mit Nachrüst-Standard

Möglich ist es auch, Fenster und Fenstertüren zu verwenden, die wenigstens über für die Nachrüstung vorhandener Komponenten empfohlenen Einbruchschutz-Eigenschaften  verfügen. Dazu gehören Pilzkopfzapfen-Beschläge, einbruchhemmendes Glas der Klasse P4A und ein abschließbarer Fenstergriff.

Derartige Fenster mussten ihre Einbruchhemmung aber nicht in einer Prüfung unter Beweis stellen, wie das bei den Modellen der Widerstandsklassen der Fall ist.

Einbruchschutz bei Fenstern nachrüsten

Nicht immer können die vorhandenen Fenster ausgetauscht werden. Dann habt ihr die Möglichkeit, den Einbruchschutz nachzurüsten. In dieser Hinsicht empfiehlt die Polizei zum Schutz gegen Aufhebeln insbesondere Aufschraubsicherungen und Pilzkopfzapfen-Beschläge.

  • Wenn ihr euch für die sichtbaren Aufschraubsicherungen entscheidet, solltet ihr wenigstens eine Sicherung auf der Griffseite und eine Sicherung auf der Bandseite anbringen. Zudem wird jeweils eine Aufschraubsicherung pro laufenden Meter empfohlen.
  • Mit Pilzkopfzapfen-Beschlägen könnt ihr die Sicherungstechnik unsichtbar anbringen. Achtet darauf, dass sie nach DIN 18104 Teil 2 geprüft sind.
  • Zudem empfiehlt die Polizei abschließbare Fenstergriffe gemäß DIN 18267. Sie sollten einem Drehmoment von 100 Newtonmetern widerstehen können, was der Widerstandsklasse FG-S-1 entspricht.
  • Die polizeiliche Basisempfehlung kann durch einbruchhemmende Sicherheitsfolien oder eine einbruchhemmende Verglasung ergänzt werden.
  • Darüber hinaus können gesicherte Glashalteleisten oder ein Getriebeanbohrschutz zum Einsatz kommen.

Fördermöglichkeiten

Leider ist es nicht gerade preiswert, einen effektiven Einbruchschutz zu realisieren, so wie er von der Polizei empfohlen wird. Eigentümer und Mieter von Wohngebäuden haben aber die Möglichkeit, bei der KfW zinsgünstige Kredite sowie Zuschüsse aus den Förderprogrammen „Altersgerecht Umbauen – Kredit (159)“ und „Altersgerecht Umbauen – Investitionszuschuss (455)“ zu erhalten. Förderfähige Einbruchschutzmaßnahmen sind dabei:

  • Haus- und Wohneingangstüren, die der Widerstandsklasse RC 2 entsprechen
  • Mehrfachverriegelungssysteme mit Sperrbügelfunktion
  • Tür-Nachrüstungen nach DIN 18104 Teil 1 oder Teil 2
  • Einsteckschlösser nach DIN 18251, wenigstens Klasse 4
  • Einbruchhemmende Verglasung der Klasse P4A entsprechend DIN EN 356
  • Schutzbeschläge laut DIN 18257 ab Klasse ES 1
  • Einbruch- und Überfallmeldung  laut DIN EN 50131, wenigstens Grad 2
  • Rollläden der Widerstandsklasse RC 2 oder besser
  • Gitter der Widerstandsklasse RC 2 oder besser
  • Fenster- und Fenstertür-Nachrüstungen entsprechend DIN 18104 Teil 1 oder Teil 2
  • Türspione
  • Gegensprechanlagen und Türkommunikation
  • Bild-Gegensprechanlagen mittels Videotechnik
  • Baugebundene Not- und Rufsysteme
  • Bewegungsmelder
  • Anwesenheitsmelder
  • Beleuchtung
  • Elektronische Antriebssysteme für Rollläden

Für einzelne Maßnahmen liegt die Höhe des Zuschusses bei 20 Prozent auf die ersten 1.000 Euro der förderfähigen Investitionskosten. Bestimmte Nebenkosten sind dabei schon eingeschlossen. Zudem könnt ihr weitere 10 Prozent für jeden weiteren Euro pro Antrag erhalten. Ihr müsst mindestens 500 Euro investieren. Eine Bezuschussung erfolgt bis maximal 15.000 Euro der förderfähigen Investitionskosten pro Wohneinheit.

Weitere Tipps zur Sicherheit

Um herauszufinden, welche weiteren Sicherungsmaßnahmen Sinn ergeben, solltet ihr euch immer in die Rolle eines Einbrechers versetzen. Geht selbst um euer Haus und überlegt, wie ein Einbrecher vorgehen würde. Eine gute Idee ist es immer, in moderne Sicherheitstechnik zu investieren. Eine sichtbare Alarmanlage wirkt auf jeden Fall abschreckend und auch eine Überwachungskamera – selbst, wenn es nur eine Attrappe ist – hat schon so manchen Einbrecher abgehalten, überhaupt erst den Versuch zu starten, ins Haus einzudringen.

Einbruchschutz

Alarmanlagen

Eine Alarmanlage kann sehr unterschiedlich konfiguriert werden. Sie schlägt beispielsweise Alarm sobald ein Fenster zu Bruch geht, eine Lichtschranke durchbrochen wird oder ein Bewegungsmelder auslöst – je nach Modell. Der auslösende Faktor kann dabei im Haus oder Garten angebracht werden.

Die meisten Modelle schlagen Alarm in Form von Beleuchtung, einer Sirene oder aber auch mittels einer Mitteilung an einen Wachdienst oder die Polizei. Je nach Modell kann dies noch durch einen Sicherheitscode unterbunden werden, sodass kein Fehlalarm ausgelöst wird.

Bewegungsmelder

Ein Bewegungsmelder löst aus, wie der Name schon sagt, sobald eine Bewegung registriert wird. Beim Durchbrechen einer Lichtschranke ist dies der Fall. Es gibt jedoch auch Infrarot Bewegungsmelder, diese lösen dann aus, wenn sich ein Objekt nähert, das sich von der Umgebungstemperatur unterscheidet. Details könnt ihr beim Infrarot Guide durchlesen.

Das Signal vertreibt die Einbrecher in Form einer Beleuchtung oder durch ein akustisches Signal. Der Bewegungsmelder kann (und sollte) natürlich auch an ein Alarmsystem gekoppelt sein.

Selbstverteidigungswaffen & Hunde

Sollten die Einbrecher in das Haus eingedrungen sein, muss der Einbruchschutz dafür sorgen, dass Sicherheitskräfte alarmiert werden. Allerdings seid ihr dann für eine gewisse Zeit auf euch selbst gestellt. Für den Notfall ist es daher ratsam, Waffen zur Selbstverteidigung im Haus zu haben. Beachtet hierbei aber die Richtlinien des Waffengesetzes. Auch ein Hund ist ein wachsamer Helfer gegen Einbrecher. Er wirkt nicht nur abschreckend und hält Einbrecher möglicherweise von einem Einbruch ab, er löst Alarm aus und kann Euch auch verteidigen, so lange es sich nicht gerade um einen Schoßhund handelt.

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Letzte Aktualisierung am 14.08.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API