Eine Methode des Selbstschutzes bilden die Schreckschusswaffen, auch als Gaspistole bekannt – ohne einen Waffenschein können diese jedoch nicht erworben und genutzt werden. Diese sind für einen Laien auf den ersten Blick nicht von einer echten Pistole zu unterscheiden und können deshalb durchaus schon einmal zur Verwechslung führen. Weitere Details zum Erwerb, der Handhabung und möglichen Gefahren wollen wir Euch in diesem Abschnitt vorstellen.


Kleiner Waffenschein & Mitführen von Schreckschusswaffen

Mit der Reform des Waffengesetztes nach dem Amoklauf an der Schule in Erfurt hat man einen sogenannten „kleinen Waffenschein“ eingeführt, der zum öffentlichen Führen von Gas-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen berechtigt. Er ist also für eine Reihe von Selbstverteidigungswaffen zwingende Voraussetzung.

  • Diesen könnt Ihr beantragen und bekommt ihn in der Regel auch, wenn Ihr volljährig seid und frei von Vorstrafen sowie Drogen. Das Erwerben ist legal, sobald Ihr 18 Jahre alt seid. Hier gibt es keine weiteren Grenzen.
  • Den kleinen Waffenschein braucht Ihr unbedingt, wenn Ihr eine Gaspistole kaufen und außerhalb der Wohnung mit euch führen möchtet. Selbst für das Mitführen im Handschuhfach vom Auto wird der kleine Waffenschein benötigt, da das Auto nicht als „befriedetes Besitztum“ gilt.
  • Ein unerlaubtes Mitführen würde einen Verstoß gegen §42a des WaffG bedeuten, welcher das Führen von Anscheinswaffen verbietet. Spart Euch diese Vorstrafe mit hoher Geldbuße und gebt lieber einen zweistelligen Betrag für den Gaspistole Waffenschein aus, wenn Ihr darauf nicht verzichten wollt.
  • Bei öffentlichen Veranstaltungen gilt nach §42 WaffG ein generelles Verbot des Führens von gefährlichen Gegenständen. Man wird Euch mit Schreckschusswaffen also nicht in eine Konzerthalle lassen.

Eure Schreckschusswaffe muss zudem ein PTB Zeichen beinhalten, sonst unterliegen sie der Erlaubnispflicht wie echte Waffen und erfordern einen Einttag in die Waffenbesitzkarte. Ebenfalls ist es wichtig zu wissen, dass die Gaspistolen in der Öffentlichkeit zwar unter bestimmten Umständen mitgeführt, aber nicht abgefeuert werden dürfen – außer im Fall von Notwehr. Eine Zuwiderhandliung kann sehr teuer werden.

Lest euch am besten die FAQ der Polizei Sachsen

Hilfreiche Videos

Falls Ihr euch auf Youtube ein paar weitere hilfreiche Videos rund um das Thema Schreckschusswaffen ansehen möchtet, werdet ihr hier fündig. Erfahrt mehr über die rechtliche Situation, wie die Waffen im Einsatz aussehen und was es noch zu beachten gilt:

Vergleich und Test: Welche ist die beste Schreckschusspisole?

Rechtliche Situation zur Schreckschusswaffe: Was ist erlaubt, was nicht?

Wie ein Einbrecher mit einer Schreckschusswaffe vertrieben werden kann.

Effektivität von Schreckschusswaffen

Trotz aller Effektivität und Einfachheit in der Bedienung solltet Ihr allerdings in einem ruhigen Moment üben (natürlich dort wo es erlaubt ist, beispielsweise im Sportschützenverein mal nachfragen), wie Ihr die Waffe entsichert und abfeuert. Generell gibt es nicht viel falsch zu machen, aber jede Sekunde, in der Ihr die Sicherung sucht, kann in einem Ernstfall eine Sekunde zu viel sein. Außerdem sollte die Gaspistole nicht leichtfertig zum Einsatz kommen.

  • Der erste große Vorteil der Schreckschusswaffen ist, dass Euch diese Waffen allein schon durch ihre Anwesenheit schützen können, indem Ihr Anblick einen Angreifer verschreckt. Viele Menschen bekommen Angst, wenn sie eine Waffe erblicken, besonders, wenn der Täter nicht mit Gegenwehr gerechnet hat. Das Gegenteil kann natürlich auch eintreten und der Täter versucht Euch zu entwaffnen oder zieht eine eigene Waffe. Eine Reaktion jedenfalls werdet Ihr bekommen, wenn Ihr die Waffe zeigt.
  • Der große Vorteil an einer Schreckschusswaffe ist, dass Ihr keine körperlichen Voraussetzungen braucht, um diese bedienen zu können. Die Benutzung braucht weder viele Kraft, noch besondere Geschicklichkeit. Die Waffe selbst wiegt in der Regel zwischen 500 und 1000 Gramm plus Patronen, also ungefähr so viel wie eine Tüte Zucker. Sie stellt somit besonders für gebrechliche Personen eine effektive Methode dar, sich zu schützen.
  • Die Effektivität der Verteidigung ist wohl kaum in Frage zu stellen. Die Waffe kann gegen Jedermann benutzt werden und erzielt auch gegen körperlich überlegene Personen gute Effekte. Selbst bei einem Angriff einer Gruppe von Tätern könnt Ihr damit möglicherweise für Eindruck sorgen. Da das Pistolenmagazin meist 7 bis 15 Schuss fasst, ist nicht nach dem ersten Täter Schluss. Beim Revolver sind es bautechnisch bedingt normalerweise nur 5 oder 6 Schuss.

Wirkung der Gaspistole

Wie oben erklärt, zündet die Patrone der Schreckschusswaffen wie bei einer echten Waffe. Hier gibt es allerdings 3 verschiedene Munitionsarten:

  • Platzpatronen haben keine Wirkung, sondern knallen lediglich, sind also zur Selbstverteidigung nicht geeignet
  • Patronen mit CS Gas wirken reizend auf Augen und Schleimhäute, wobei die Wirkung nicht sonderlich stark ist
  • Pfefferpatronen enthalten den gleichen Wirkstoff wie ein Pfefferspray und brennen auf Schleimhäuten und normaler Haut

Da die Reichweite mehrere Meter beträgt, geschieht das Abfeuern mit einem sehr hohen Druck. Dieser Druck kann, auf kurze Entfernungen angewendet, mehr als nur Hämatome verursachen. Bedenkt das im Ernstfall, denn ein Schuss aus wenigen Zentimetern Entfernung könnte beispielsweise Finger brechen oder Genitalien zerquetschen. Mit einer schweren Verletzung des Täters sinkt Eure Chance, eine Handlung in Notwehr anerkannt zu bekommen, also achtet auf einen gewissen Mindestabstand.

Wenn Eure Patronen CS Gas oder Pfeffer enthalten, wirkt dieser Wirkstoff gezielt auf die Stellen des Körpers, an denen er am besten eindringen kann, also überwiegend gegen Schleimhäute und offene Wunden, im Falle von Pfefferpatronen aber auch auf die Haut. Der Reizstoff sorgt für eine schmerzhafte Reizung der Augen und anderer offener Stellen, ein Brennen in Mund- und Nasenraum und eine starke Reizung der Atemwege, auf die in der Regel ein schwerer Hustenanfall folgt. Sollte der Angreifer beispielsweise eine offene Wunde am Arm haben, könntet Ihr auch auf diese zielen, anstatt auf den Oberkörper oder Kopf. Es ist deutlich weniger gefährlich für sein Leben, besser für Euer Gewissen und sein Schmerz wäre eine ebenso gute Lektion.

Die Wirkung von Pfefferpatronen hält in der Regel etwa 30 bis 40 Minuten an, bei CS Gas ein wenig kürzer. Rechnet aber auch damit, dass der Gegner nicht vollends bewegungsunfähig wird. Wenn er das Gasgemisch nicht einatmet, sondern nur auf die Haut bekommt, bleibt er möglicherweise sogar kampffähig. Die Schreckschusswaffen sind also kein sicherer „Ausschalter“.

Funktionsprinzip der Schreckschusswaffen

Das grundsätzliche Funktionsprinzip der Schreckschusswaffen gleicht dem einer echten Pistole. Ihr legt ein Magazin mit Patronen ein, beim Auslösen des Abzugs schlägt ein Hammer auf die Patrone und bringt damit das Zündhütchen zur Explosion.

Im Gegensatz zu einer scharfen Pistole allerdings besteht das Geschoss hier nicht aus der eigentlichen Patrone, sondern aus einem Gas oder Gasgemisch, welches aus der Patrone austritt. Die Reichweite variiert hierbei nach dem jeweiligen Modell, in der Regel zeigt die Gaspistole Wirkung zwischen 2 und 6 Metern. Bei Pistolen sorgt der Druckaufbau im Lauf für das Einlegen der nächsten Patrone, bei einem Revolver dreht Ihr die Trommel mit dem Auslösen des Abzugs weiter und die Waffe ist automatisch wieder schussbereit.

Bedenkt, wenn Ihr Euch eine Gaspistole kaufen wollt, dass mit manchen Modellen von Schreckschusswaffen auch pyrotechnische Munition verschossen werden kann. Weil diese allerdings mehr zu einem 50. Geburtstag geeignet ist als zur Selbstverteidigung und im Ernstfall gegen einen Menschen schwerste Verbrennungen anrichten würde, werden wir darauf hier nicht näher eingehen.

Gefahren beim Einsatz

Als erstes, da Ihr es hier mit einer Gaswaffe zu tun habt, gilt es, die Umgebung zu beachten. Bei der Verwendung in einem geschlossenen Raum beispielsweise kann die Gaspistole Wirkung zeigen, mit der Ihr ein wenig über das Ziel hinausschießt. Je nach Größe, Höhe und Beschaffenheit des Raumes kann das Gas viele anwesende Menschen in Mitleidenschaft ziehen und Euch sogar selbst mit treffen. In einem Raum mit beispielsweise mit 3 mal 3 Metern wäre das Abfeuern einer Schreckschusswaffe fatal für alle Anwesenden. In diesem Fall kommt es dann wohl darauf an, wessen Körper weniger empfindlich auf den Reizstoff reagiert und zuerst wieder einsatzbereit ist, aber dieses Risiko solltet Ihr lieber nicht eingehen.

Die nächste Gefahr geht von der Luft aus. Wenn Ihr Euch im Freien befindet, solltet Ihr die Windrichtung beachten, bevor Ihr den Abzug drückt. Ein starker Gegenwind, auch ein plötzlicher Windstoß, kann bewirken, dass Ihr die gleiche Ladung abbekommt oder sogar mehr Schaden nehmt, als Euer Angreifer. Das Gleiche gilt für einen Schuss aus zu kurzer Entfernung, wenn die Gase nicht ungehindert austreten können, sondern vor dem Lauf gestaut werden. Eingeschränkten Schutz vor dieser Gefahr erhaltet Ihr dadurch, dass Ihr vor dem Auslösen tief einatmet, beim Drücken des Abzugs mit der freien Hand Mund und Nase zuhaltet und Euch dann sofort ein paar Schritte entfernt. Dem Tränen der Augen könnt Ihr damit nicht entgehen, aber vielleicht dem Hustenanfall.

Eine weitere Gefahr ist, wie oben schon angedeutet, die Verletzung Eures Gegenübers. Das Problem des hohen Drucks von Schreckschusswaffen ist, dass dieser auf kurze Entfernungen sehr gerichtet und punktgenau auftrifft. Somit sind besonders schwache Stellen am Körper gefährdet, welche druckempfindlich reagieren. Diese Gefahr solltet Ihr nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn selbst gegen den Oberkörper kann die Gaspistole Wirkung auf physikalischer Basis zeigen, obwohl der Brustkorb den meisten Belastungen standhält. Das bedeutet, dass Ihr beispielsweise bei einem Treffer in die Magengegend innere Verletzungen hervorrufen könntet.

Es gibt diverse Videos im Internet, die diese Kräfte anhand von Gegenständen zeigen. Bei einem Treffer von Kopf oder Hals sind derartige schwere Verletzungen sogar sehr wahrscheinlich und auch der Tod des Angreifers ist nicht ausgeschlossen. Benutzt die Gaspistole also wirklich nur als letzten Ausweg und auch nur, wenn Ihr die Hinweise oben beachten könnt. Mit der Tötung eines Anderen, auch wenn sie laut Gesetz durch Notwehr gerechtfertigt war, können die wenigsten Menschen leben.

Weiterhin kann die Polizei eine Schreckschusswaffe nur kaum von einer echten Waffe unterscheiden. Solltet Ihr in der Öffentlichkeit eine Schreckschusspistole in der Hand haben und es kommt zu einem Polizeieinsatz, kann das ganz schlimme Konsequenzen haben. Da die Polizisten Eure Pistole verwechseln und von ihrer Waffe gebraucht machen könnten.

Achtung: Unsere Inhalte wurde sorgfältig erstellt, jedoch ändern sich rechtliche Normen und einige sind Auslegungssache. Wir können auf die folgenden Informationen keine Gewähr übernehmen, für eine rechtssichere Beratung sucht bitte einen Anwalt auf. Stand: 12/ 2016

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