Selbstverteidigungswaffen: Was ist erlaubt – wo besteht Waffenscheinpflicht

In anderen Ländern ist es durchaus üblich, dass jeder Bürger eine Schusswaffe besitzt. In Deutschland steht die Allgemeinheit diesem Thema deutlich kritischer gegenüber, wodurch wir sehr strenge Regeln im Umgang mit Waffen jeglicher Art haben. Dieser Abschnitt soll Euch erläutern, welche Waffen Ihr in welcher Situation mitführen dürft und was es sonst noch zu beachten gibt.

Achtung: Unsere Inhalte wurde sorgfältig erstellt, jedoch ändern sich rechtliche Normen und einige sind Auslegungssache. Wir können auf die folgenden Informationen keine Gewähr übernehmen, für eine rechtssichere Beratung sucht bitte einen Anwalt auf. Stand 12/ 2016

Waffen im Vergleich: Solltet Ihr noch nicht sicher sein, welche Waffe zur Selbstverteidigung für Euch geeignet ist, schaut in unseren Vergleich.


Selbstverteidigungswaffen

Erwerben von Waffen

Auch, wenn das Verbotene bekanntlich am meisten reizt, solltet Ihr beim Waffenrecht tunlichst die Finger davon lassen. Verstöße gegen das Waffengesetz können zu großen Geldstrafen und sogar Freiheitsentzug führen. Weitere Details, was Ihr erwerben und besitzen dürft, wollen wir Euch in diesem Abschnitt erläutern. Bedenkt hierbei, dass für Soldaten, Polizisten oder Mitarbeitern von Sicherheitsdiensten abweichende Vorschriften gelten können. Wir befassen uns hier mit den Regelungen für den Normalverbraucher.

Zwei Begriffe, die Ihr im Zusammenhang mit Schusswaffen schon einmal gehört haben solltet, sind der Waffenschein und die Waffenbesitzkarte.

  • Der Waffenschein berechtigt zum Führen und Benutzen einer Schusswaffe.
  • Die Waffenbesitzkarte erlaubt ausschließlich den Besitz. Ein Jäger oder Sportschütze benötigt folglich beides.

Das Kriegswaffenkontrollgesetz KrWaffKontrG verbietet die Benutzung sowie den Besitz jeglicher als Kriegswaffen anerkannter Maschinen und Geräte. Hierzu gehören – laut Anlage Kriegswaffenliste 29. a) bis d) – nahezu alle vollautomatischen Gewehre, Karabiner und Maschinenpistolen sowie Vorderschaftrepetierflinten (Pumpguns). Wenn Ihr auf einen Händler trefft, der Euch derartige Waffen verkaufen möchte, dann distanziert Euch schnell von diesem Angebot und meldet den Verstoß bei den Behörden.

Für den legalen Erwerb von Schusswaffen im Sinne des Waffengesetzes benötigt Ihr deren Eintragung in eine Waffenbesitzkarte. Dies könnt Ihr zum Beispiel durch einen Jagdschein (§13 WaffG) erreichen oder durch die Mitgliedschaft in einem Schießsportverband, welche seit mindestens 12 Monate besteht (§14 WaffG). Der grundlose Erwerb einer Schusswaffe ist nicht erlaubt.

Etwas unkomplizierter ist der kleine Waffenschein nach §10 WaffG Absatz 4. Er gilt zum Führen aller Arten von Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen mit dem Siegel der PTB (Physikalisch-technische Bundesanstalt). Es gilt ein Mindestalter von 18 Jahren, Freiheit von Vorstrafen und kein Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Mit Vollendung des 18. Lebensjahres dürft Ihr diverse Waffenreplikanten erwerben, welche einer echten Schusswaffe teils zum Verwechseln ähnlich sehen. Dazu zählen insbesondere halbautomatische Paintball- und Softairwaffen (Markierer) mit einer Geschossenergie bis zu 7,5 Joule. Bei vollautomatischen Markierern sinkt diese Grenze auf 0,5 Joule. Die Waffen müssen ein F-Symbol im Fünfeck aufweisen.

Welche Waffen sind zur Verteidigung geeignet?

Das kann so pauschal nicht beantwortet werden, da sich die Waffen in der Handhabung und in der Eignung deutlich unterscheiden. Schaut euch dazu die folgenden Videos an, sie können euch eine Hilfestellung bieten.

Waffenscheinpflichtige Waffen

Alle Schusswaffen, deren Geschossenergie über 7,5 Joule liegt, benötigen zum Führen und zur Benutzung eine behördliche Erlaubnis, die Ihr als Waffenschein kennt. Normalerweise könnt Ihr beim Waffenhändler keine Waffe erwerben, die über dieser Grenze liegt, ohne Eure Erlaubnis durch eine Waffenbesitzkarte nach §10 Absatz 1 des WaffG nachzuweisen.

Die Bedingungen für die Erteilung eines Waffenscheines sind im §4 des WaffG geregelt. Ihr müsst hierfür

  1. volljährig sein
  2. die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung besitzen
  3. die erforderliche Sachkunde sowie
  4. ein Bedürfnis nachweisen (Jagd, Schützenverein, Personenschutz) und
  5. eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben.
  6. Diese Erlaubnis gilt für 3 Jahre, bevor der Bedarf und die Eignung erneut nachgewiesen werden müssen.

Eine Besonderheit bildet noch der kleine Waffenschein, der für das Führen Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen benötigt wird. Achtung: der reine Erwerb dieser Waffen setzt nur Eure Volljährigkeit voraus, aber mitführen dürft Ihr diese nur mit dem Schein!

Waffenscheinfreie Waffen

Frei verkäuflich ohne Waffenschein sind viele weitere Waffen zum Selbstschutz. Dabei muss oftmals ein Altersnachweis erbracht werden, weitere Auflagen sind jedoch oft nicht notwendig. Dazu zählen zum Beispiel:

Achtung: Frei verkäuflich heisst nicht, dass die waffenscheinfreie Waffe auch ständig mitgeführt werden darf. Das ist nicht der Fall und zieht Konsequenzen nach sich.

Waffen zur Selbstverteidigung einsetzen

Dürfen Waffen zur Selbstverteidigung eingesetzt werden? Prinzipiell kann man das mit einem „ja, aber“ beantworten, denn die Lage ist leider recht kompliziert:

Wiederholung des Notwehrrechts: Der §32 des StGB besagt: „Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.“ und „Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“

Das Problem ist im Einzelfall die Entscheidung darüber, ob ein Waffengebrauch in der jeweiligen Situation tatsächlich angebracht war. Das kann nur ein Anwalt und ein Gericht beantworten. Jedoch sind Waffen keine Spielzeuge und es gibt zurecht Gesetze, die den Gebrauch einschränken. Ob Ihr die Waffe berechtigterweise oder unberechtigterweise besitzt bzw. führt, kann dann nochmals eine andere rechtliche Fragestellung sein.

Was ist eine Waffe?

Das Waffengesetz WaffG unterscheidet in §1 Absatz 2 zwischen:

  • Schusswaffen
  • den Schusswaffen gleichgestellte Gegenstände
  • tragbaren Gegenständen, die dazu bestimmt sind „die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit eines Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen“

Als Schusswaffe zählt alles, was ein Projektil durch einen Lauf treibt. Für diese Waffen benötigt man einen Waffenschein zum Führen. Ein gleichgestellter Gegenstand wäre beispielsweise eine Schreckschusspistole oder eine Softairwaffe, also waffenähnliche Gegenstände ohne derartige Geschosswirkung. Für manche von diesen Waffen ist ein kleiner Waffenschein notwendig.

Zu den übrigen tragbaren Gegenständen gehört damit alles, was zum Selbstschutz eingesetzt werden kann, aber mit einer Schusswaffe nichts gemein hat, wie etwa:

Verteidigung mit Waffen Notwehr?

Hier betreten wir ein rechtlich sehr gefährliches Terrain. Sicher ist das Notwehrrecht im Allgemeinen nicht einfach, aber die Verwendung von Waffen zum Selbstschutz ist noch deutlich komplizierter. Im Handel gibt es diverse Gegenstände zur Selbstverteidigung, deren Erwerb in manchen Fällen sogar ohne jeden Aufwand möglich ist. Weiterhin gilt jede Verteidigung als Notwehr, wenn sie erforderlich ist, um einen rechtswidrigen Angriff abzuwenden. Hier unterscheidet das Notwehrrecht nicht zwischen unbewaffneter und bewaffneter Notwehrhandlung.

Die tatsächliche Eignung von Waffen zum Selbstschutz werdet Ihr kaum anzweifeln, die rechtliche Eignung hingegen ist schwierig. Anbei ein paar Beispiele.

Ein weiteres großes Problem entsteht auch immer dort, wo es Zeugen gibt, denn Kamerahandys sind allgegenwärtig. Wenn Ihr zum Beispiel geschlagen werdet und anschließend zurückschlagt, ein Zeuge aber nur Euren Schlag mit dem Handy gefilmt hat, steht Ihr schnell auf der anderen Seite der Anklagebank. In diesem Fall hilft Euch auch das Notwehrrecht nicht mehr.

Ihr seht also: Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge, also schöpft erst alle anderen Möglichkeiten aus, bevor Ihr Gewalt anwendet.

Mitführen von Waffen

Das öffentliche Mitführen von Anscheins-, Schreckschuss- , Signal- , Reizstoff-, Hieb- und Stichwaffen sowie Klappmessern und Messern mit einer Klingenlänge über 12 cm ist nach §42a WaffG prinzipiell verboten.
Im gleichen Paragraphen steht, dass der Transport im entladenen Zustand und in einem verschlossenen Behältnis erlaubt ist. Die Betonung liegt hier auf „verschlossen“, somit fallen die Handtasche oder das Handschuhfach vom Auto aus der Auswahl heraus. Eine Ausnahme gibt es für das Führen von Schreckschuss- , Signal-  und Reizstoffwaffen mit dem kleinen Waffenschein. Wenn Ihr diesen besitzt, dürft Ihr diese Waffen laut §10 Absatz 4 des WaffG geladen und griffbereit mitführen.

Bei öffentlichen Veranstaltungen sowie an manchen öffentlichen Plätzen gilt nach §42 WaffG ein generelles Verbot von Waffen und anderen tragbaren Gegenständen, welche geeignet sind, „die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen“. Der kleine Waffenschein nützt Euch hier nichts, denn sogar mit einem Schlagstock oder Pfefferspray könnt Ihr des Platzes verwiesen werden.
Beachtet das, wenn es am Einlass eine Personenkontrolle gibt, denn die Sicherheitsfachkräfte werden in Eure Handtasche sehen wollen.

Somit gilt also: Einige Waffen zur Selbstverteidigung dürfen prinzipiell mitgeführt werden, solange sie nicht unter das Verbot des Waffengesetzes fallen und Ihr damit keine öffentliche Großveranstaltung besucht.

Gefahren beim Einsatz von Selbstverteidigungswaffen

In erster Linie müsst Ihr natürlich bedenken, dass der Einsatz von Waffen schnell eine schwere Verletzung des Anderen herbeiführen kann. Bei der Verwendung einer Schreckschusswaffe beispielsweise tritt ein hoher Druck am Ausgang des Laufs auf, der, wenn er auf das Gesicht gerichtet austritt, schwere Verletzungen nach sich ziehen kann. Auch mit einem Messerstich fügt Ihr schnell irreparable oder tödliche Verletzungen zu. Solltet Ihr gezwungen sein, eine Waffe einzusetzen, dann zielt immer auf die Gliedmaßen, nicht auf Kopf oder Torso.

  • Eine schwere Verletzung des Angreifers kann nicht nur Eurem Gewissen einen tiefen Stich versetzen, sondern Euch auch vor Gericht für schuldig erklären und hohe Strafzahlungen nach sich ziehen.
    Urteile wegen Körperverletzungen mit nachfolgender Behinderung sorgen meistens dafür, dass der Angeklagte fünfstellige Summen als Strafe zahlen muss.
  • Eine weitere Gefahr, wenn Ihr Euch auf eine Waffe verlasst, ist der Moment der Ablenkung, in welchem Ihr nach dieser greift. Ihr werdet kurzzeitig verwundbar, wenn Ihr in der Handtasche wühlt oder Euch zum Handschuhfach runterbeugt. Es ist nicht in jeder Situation gefahrlos möglich, die Waffe zu ziehen und zu entsichern. Möglicherweise müsst Ihr Euch dadurch doch mit blanken Händen verteidigen.
  • Nicht alle Waffen bleiben dauerhaft einsatzbereit und können in einem Ernstfall versagen, wenn sie keine regelmäßige Wartung bekommen. Bei einem Elektroschocker etwa können sich die Batterien entladen, wenn dieser jahrelang in der Tasche mitgeführt und nie kontrolliert wird. Bei einer Schreckschusswaffe könnte sich die Mechanik mit Schmutz zusetzen und dann im Ernstfall verklemmen. In diesen Fällen baut Ihr Euch selbstsicher mit der Waffe vor Eurem Angreifer, damit schließlich nichts passiert. Dann kommt zu der ohnehin schon gefährlichen Situation Euer Schreck hinzu und wird Euch noch zusätzlich verunsichern. Wenn Ihr Euch eine derartige Selbstverteidigungswaffe zulegen wollt, müsst Ihr daran denken, diese regelmäßig auf Funktionsfähigkeit zu überprüfen.
  • Eine allgegenwärtige Gefahr bildet, besonders bei Nahkampfwaffen wie Schlagstöcken oder Elektroschockern, die Entwaffnung durch den Angreifer. Gerade beim Einsatz von Nahkampfwaffen solltet Ihr also sehr vorsichtig sein, wenn Ihr keine Ausbildung dafür habt. Die Entwaffnung kann dann sogar zur Folge haben, dass Eure Waffe gegen Euch eingesetzt wird. Möglicherweise reicht ja bereits das Vorzeigen der Waffe aus, um den Angreifer zu vertreiben.

Fazit

Verstöße gegen das Waffengesetz stellen eine Straftat dar, keine Ordnungswidrigkeit. Wenn Ihr also sicher gehen wollt, dass Ihr Frei von Vorstrafen bleibt, dann transportiert Eure Waffe nur in entladenem Zustand, dabei stets ohne Magazin und auch nur in einem verschlossenen Koffer. Es gibt spezielle Waffenkoffer mit Schlössern für unterschiedliche Waffengrößen.

Wenn Ihr hingegen erlaubnisfreie Waffen führt oder einen kleinen Waffenschein besitzt, müsst Ihr dennoch aufpassen, da Ihr die Waffen nicht überall mitnehmen dürft. Öffentliche Veranstaltungen sind Tabu, was das Führen sämtlicher Schuss-, Hieb- und Stichwaffen angeht. Bei der Verwendung von Selbstverteidigungswaffen müsst Ihr jederzeit größtmögliche Vorsicht walten lassen, um einer Entwaffnung oder einer Anzeige wegen überzogener Notwehr zu entgehen. Setzt diese daher wirklich erst gegen einen Menschen ein, wenn sich die Situation nicht mehr ohne Gewaltanwendung entschärfen lässt.

Die Gesetzgebung um den Selbstschutz und den Besitz von Waffen zur Selbstverteidigung ist nicht einfach zu durchschauen und hält auch den einen oder anderen Stolperstein parat. Wenn Ihr Euch unsicher seid, ob Ihr eine bestimmte Waffe erwerben dürft, dann fragt beim Händler an. Wenn dieser gewerblich Waffen verkauft, kennt er sich zwangsläufig auch mit den aktuell gültigen Vorschriften für den Vertrieb aus.

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