Hapkido hat sich als eine der vielseitigsten und effektiven Kampfsportarten etabliert. Doch habt ihr euch schon einmal gefragt, wo diese faszinierende Kunst ihren Ursprung hat? In diesem Beitrag nehmen wir euch mit auf eine Reise durch die Zeit, von den Anfängen in der koreanischen Silla-Dynastie bis hin zur globalen Verbreitung in der heutigen Welt.

Hapkido: Die koreanische Kampfkunst
  • Bülow, Christian (Autor)
Hapkido
Quelle: Midjourney

Der historische Ursprung

Die Wurzeln von Hapkido reichen weit zurück in die Silla-Dynastie, die im 7. Jahrhundert in Korea herrschte. In dieser Zeit entstand die Organisation Hwa Rang Do, die junge Männer aus dem Adel in Kampfkunst und Philosophie schulte. Diese Eliteeinheiten waren darauf trainiert, in Notfällen die Region zu verteidigen. Die Kampfkunst, die den Hwa Rang Do beigebracht wurde, hatte zwar noch keinen Namen, bildete jedoch die Grundlage für das, was wir heute als Hapkido kennen.

Mit der Zeit verlor die Kampfkunst der Hwa Rang Do an Bedeutung, da sich die jungen Adligen zunehmend auf eine Karriere im Handel oder als Regierungsbeamte vorbereiteten. Die Kampfkunst, die einst von den Hwa Rang Do praktiziert wurde, entwickelte sich weiter und wurde als Taekkyon bekannt. Dieser Übergang markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der koreanischen Kampfkünste und legte den Grundstein für die Entstehung von Hapkido.

In diesem Kontext ist es interessant zu wissen, dass die Techniken und Philosophien der Hwa Rang Do und des Taekkyon in abgelegenen Klöstern von Mönchen bewahrt wurden. Diese hielten die ursprünglichen Formen und Lehren am Leben, die später in die moderne Form von Hapkido einflossen. So sehen wir, dass Hapkido nicht nur eine Ansammlung von Techniken ist, sondern eine Kampfkunst mit einer tief verwurzelten Geschichte und Philosophie.

Japanische Besetzung und Einflüsse

Die japanische Besetzung Koreas im Jahr 1910 hatte weitreichende Auswirkungen auf die koreanischen Kampfkünste, einschließlich Hapkido. Während dieser Zeit wurden alle koreanischen Kampfkünste offiziell verboten. Die einzige Möglichkeit, die traditionellen Formen und Techniken am Leben zu erhalten, bestand darin, sie in abgelegenen Klöstern im Geheimen zu praktizieren.

Trotz der Unterdrückung kamen auch neue Einflüsse ins Spiel. Die japanischen Kampfkünste Judo und Kendo, die während der Besatzungszeit erlaubt waren, hatten einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung von Hapkido. Insbesondere die Wurf- und Hebeltechniken aus dem Judo sowie die Schwertkunst aus dem Kendo fanden Eingang in das Hapkido-Repertoire. Diese Einflüsse sind bis heute in den Techniken und Bewegungsabläufen von Hapkido erkennbar.

Es ist also klar, dass die japanische Besetzung einerseits die koreanischen Kampfkünste unterdrückte, andererseits aber auch neue Elemente einbrachte, die zur Vielseitigkeit von Hapkido beitrugen. Diese Phase der Unterdrückung und gleichzeitigen Innovation prägte Hapkido nachhaltig und trug dazu bei, dass es sich zu einer komplexen und vielseitigen Kampfkunst entwickelte.

Moderne Gründer und Entwicklung

Nach dem Ende der japanischen Besetzung trat Choi Yong Suhl auf den Plan und spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von Hapkido. Choi, der bereits in seiner Jugend Tae Kyun gemeistert hatte, ging nach Japan und studierte dort Daito Ryu oder Dai Ju-Jutsu, die als Vorläufer von Judo und Aikido gelten. Nach seiner Rückkehr nach Korea gründete er 1945 die erste Hapkido-Schule in Taegu. Damit legte er den Grundstein für die moderne Form dieser Kampfkunst.

Choi’s Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Er integrierte die Techniken und Philosophien, die er in Japan gelernt hatte, mit den traditionellen koreanischen Kampfkünsten. Dies führte zu einer einzigartigen Mischung aus „harten“ und „weichen“ Techniken, die sowohl für die Selbstverteidigung als auch für die geistige Entwicklung nützlich sind. Seine Schule in Taegu wurde zum Ausgangspunkt für die Verbreitung von Hapkido in ganz Korea und später in der Welt.

Die Gründung der ersten Hapkido-Schule in Taegu markiert einen Wendepunkt in der Geschichte dieser Kampfkunst. Von hier aus begann Hapkido, sich als eine eigenständige und vielseitige Disziplin zu etablieren, die sowohl traditionelle koreanische als auch moderne Einflüsse integriert.

Einflüsse und Techniken

Hapkido ist eine Kampfkunst, die sich durch ihre Vielseitigkeit auszeichnet. Im Vergleich zu anderen Kampfkünsten wie Karate, Judo oder Taekwondo bietet Hapkido eine breite Palette an Techniken, die von Würfen und Hebeln bis hin zu Tritten und Schlägen reichen. Diese Vielfalt ist das Ergebnis einer langen Geschichte von Einflüssen, sowohl aus der traditionellen koreanischen Kampfkunst als auch aus dem japanischen Judo und Kendo.

Die Entwicklung der Techniken und der zugrundeliegenden Philosophie von Hapkido ist ein kontinuierlicher Prozess. Die Grundlagen wurden in der Silla-Dynastie gelegt und im Laufe der Zeit durch verschiedene Einflüsse erweitert. Besonders interessant ist die Integration von „harten“ und „weichen“ Techniken. Während „harte“ Techniken wie Schläge und Tritte auf körperliche Kraft und Geschwindigkeit abzielen, konzentrieren sich „weiche“ Techniken wie Würfe und Hebel auf die Nutzung der Energie des Gegners. Diese Kombination macht Hapkido zu einer äußerst effektiven und anpassungsfähigen Kampfkunst.

Verbreitung in der westlichen Welt

Die Einführung von Hapkido in Seoul war ein entscheidender Schritt für seine globale Verbreitung. Da über 75% der Bevölkerung Südkoreas in Seoul leben, wurde die Hauptstadt zum idealen Ausgangspunkt für die Expansion dieser Kampfkunst. Von hier aus fand Hapkido seinen Weg in die westliche Welt und gewann rasch an Popularität.

Heute ist Hapkido weltweit verbreitet und genießt eine hohe Bedeutung in der Kampfsportgemeinschaft. Besonders in den USA, Kanada und verschiedenen europäischen Ländern hat sich Hapkido fest etabliert. Aber auch in Südamerika und Australien findet man eine wachsende Anzahl von Schulen und Vereinen, die diese Kunst lehren. Die globale Verbreitung zeigt, wie vielseitig und anpassungsfähig Hapkido ist, und bestätigt seine Relevanz als effektive Form der Selbstverteidigung und des körperlichen Trainings.

Wie weit ist Hapkido heute verbreitet? Es ist schwer, genaue Zahlen zu nennen, aber die Anzahl der Schulen und Vereine, die Hapkido weltweit anbieten, steigt stetig. Besonders verbreitet ist Hapkido in den USA, wo es neben anderen ostasiatischen Kampfkünsten wie Karate und Taekwondo einen festen Platz hat. Aber auch in Europa, insbesondere in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, erfreut sich Hapkido wachsender Beliebtheit.

Weiterführende Informationen

Wenn ihr noch mehr über Hapkido erfahren möchtet, findet ihr hier weitere Informationen:

Verbände:

Mehr zur Geschichte:

Maximilian Hitzler

Update: 25.04.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API