Kampfsportarten sind ein gutes Mittel zur Selbstverteidigung – aber nur wenn man fähig ist diese auszuüben und ausreichend Kenntnis von ihr hat. Damit man dennoch wehrhaft ist, können Selbstverteidigungswaffen Abhilfe schaffen. Für einige dieser Waffen ist jedoch ein kleiner oder normaler Waffenschein erforderlich.

In diesem Beitrag möchten wir Voraussetzungen nennen, die für den Waffenschein in Deutschland gelten und für wen der kleine Waffenschein oder der große erforderlich ist.

Waffenschein für was?

Es ist immer die Rede davon, dass für eine bestimmte Waffe ein Waffenschein erforderlich ist. Aber für was ist dieser denn genau erforderlich? Zum Erwerb, zum Führen oder zur Nutzung? Es gibt drei Sachverhalten, auf die man achten sollte:

  1. Erwerb: Der Erwerb von Schreckschusspistolen, Schreckschussmunition etc. ist für jeden Erwachsenen möglich. Bei einer „scharfen Pistole“ oder anderen Waffen ist eine Waffenbesitzkarte zwingend notwendig.
  2. Führen: Hier gibt es ganz klare Regeln, wie eine Waffe geführt werden darf. Und nur Inhalber des Waffenscheins dürfen die entsprechende Waffe überhaupt führen. Je gefährlicher die Waffe ist, desto strenger sind meist die Regeln. Sie dürfen daher oft nur in geschlossenen und unzugänglichen Behältern transportiert werden. Das Führen in der Öffentlichkeit bzw. bei öffentlichen Veranstaltungen unterliegt noch strengeren Regeln.
  3. Nutzung: Die meisten Waffen, die nicht bei der Pflichtausübung im Beruf eingesetzt werden, unterliegen strengen Regeln und dürfen in der Öffentlichkeit nicht benutzt werden. Selbstverständlich darf nur ein Inhaber des Waffenscheins die Waffe führen und nutzen. Im Rahmen der Notwehr ist jedoch beinah alles erlaubt, auch wenn es im Nachhinein dann Ärger geben kann, warum die Waffe in der entsprechenden Situation mitgeführt wurde.

Was ist eine Waffe?

Das Waffengesetz WaffG unterscheidet in §1 Absatz 2 zwischen:

  • Schusswaffen
  • den Schusswaffen gleichgestellte Gegenstände
  • tragbaren Gegenständen, die dazu bestimmt sind „die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit eines Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen“

Waffen die einen Waffenschein erfordern

Als Schusswaffe zählt alles, was ein Projektil durch einen Lauf treibt. Für diese Waffen benötigt man einen Waffenschein zum Führen. Ein gleichgestellter Gegenstand wäre beispielsweise eine Schreckschusspistole oder eine Softairwaffe, also waffenähnliche Gegenstände ohne derartige Geschosswirkung. Für manche von diesen Waffen ist ein kleiner Waffenschein notwendig.

Alle Schusswaffen, deren Geschossenergie über 7,5 Joule liegt, benötigen zum Führen und zur Benutzung eine behördliche Erlaubnis, die Ihr als Waffenschein kennt.

Normalerweise könnt Ihr beim Waffenhändler keine Waffe erwerben, die über dieser Grenze liegt, ohne Eure Erlaubnis durch eine Waffenbesitzkarte nach §10 Absatz 1 des WaffG nachzuweisen. Das betrifft alle Pistolen und Gewehre, die scharfe Munition abfeuern.

Das Kriegswaffenkontrollgesetz KrWaffKontrG verbietet die Benutzung sowie den Besitz jeglicher als Kriegswaffen anerkannter Maschinen und Geräte. Hierzu gehören – laut Anlage Kriegswaffenliste 29. a) bis d) – nahezu alle vollautomatischen Gewehre, Karabiner und Maschinenpistolen sowie Vorderschaftrepetierflinten (Pumpguns). Wenn Ihr auf einen Händler trefft, der Euch derartige Waffen verkaufen möchte, dann distanziert Euch schnell von diesem Angebot und meldet den Verstoß bei den Behörden.

Großen Waffenschein beantragen: Voraussetzungen in Deutschland

Die Bedingungen für die Erteilung eines (großen) Waffenscheines sind im §4 des WaffG geregelt. Ihr müsst hierfür

  1. volljährig sein
  2. die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung besitzen
  3. die erforderliche Sachkunde sowie
  4. ein Bedürfnis nachweisen (Jagd, Schützenverein, Personenschutz) und
  5. eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben.
  6. Diese Erlaubnis gilt für 3 Jahre, bevor der Bedarf und die Eignung erneut nachgewiesen werden müssen.

Kleiner Waffenschein: Voraussetzungen & erforderliche Unterlagen

Eine Besonderheit bildet nochder kleine Waffenschein nach §10 WaffG Absatz 4. Er wird für das Führen Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen mit dem Siegel der PTB (Physikalisch-technische Bundesanstalt) benötigt. Voraussetzungen für einen kleinen Waffenschein sind:

  • Es gilt ein Mindestalter von 18 Jahren,
  • Freiheit von Vorstrafen und
  • kein Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Achtung: der reine Erwerb dieser Waffen setzt nur Eure Volljährigkeit voraus, aber mitführen dürft Ihr diese nur mit dem Schein!

Die Beantragung eines kleinen Waffenscheins unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern. Denn in manchen Bundesländern ist die Polizei, das Ordnungsamt oder die Verwaltung für die Ausstellung zuständig. Die Beantragung muss vor Ort stattfinden und kann nicht online eingereicht werden.

  • Für den Termin solltet ihr euren gültigen Ausweis mitbringen, teilweise ist auch die letzte Meldebescheinigung erforderlich.
  • Da es eben so uneinheitlich ist, informiert euch am Besten vorab, gebt dazu „Waffenschein + Bundesland/ Stadt“ bei Google ein, ihr werdet sicher passende Tipps finden.

Waffenscheinfreie Waffen

Zu den übrigen tragbaren Gegenständen gehört damit alles, was zum Selbstschutz eingesetzt werden kann, aber mit einer Schusswaffe nichts gemein hat, wie etwa:

Waffenschein vs. Waffenbesitzkarte

Zwei Begriffe, die Ihr im Zusammenhang mit Schusswaffen schon einmal gehört haben solltet, sind der Waffenschein und die Waffenbesitzkarte.

  • Der Waffenschein berechtigt zum Führen und Benutzen einer Schusswaffe.
  • Die Waffenbesitzkarte erlaubt ausschließlich den Besitz. Ein Jäger oder Sportschütze benötigt folglich beides.

Für den legalen Erwerb von Schusswaffen im Sinne des Waffengesetzes benötigt Ihr deren Eintragung in eine Waffenbesitzkarte. Dies könnt Ihr zum Beispiel durch einen Jagdschein (§13 WaffG) erreichen oder durch die Mitgliedschaft in einem Schießsportverband, welche seit mindestens 12 Monate besteht (§14 WaffG). Der grundlose Erwerb einer Schusswaffe ist nicht erlaubt. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres dürft Ihr diverse Waffenrepliken erwerben, welche einer echten Schusswaffe teils zum Verwechseln ähnlich sehen. Dazu zählen insbesondere halbautomatische Paintball- und Softairwaffen (Markierer) mit einer Geschossenergie bis zu 7,5 Joule. Bei vollautomatischen Markierern sinkt diese Grenze auf 0,5 Joule. Die Waffen müssen ein F-Symbol im Fünfeck aufweisen.

Auch, wenn das Verbotene bekanntlich am meisten reizt, solltet Ihr beim Waffenrecht tunlichst die Finger davon lassen. Verstöße gegen das Waffengesetz können zu großen Geldstrafen und sogar Freiheitsentzug führen. Weitere Details, was Ihr erwerben und besitzen dürft, wollen wir Euch in diesem Abschnitt erläutern. Bedenkt hierbei, dass für Soldaten, Polizisten oder Mitarbeitern von Sicherheitsdiensten abweichende Vorschriften gelten können. Wir befassen uns hier mit den Regelungen für den Normalverbraucher.

Fazit

Waffenschein

Im Bild: Kleiner Waffenschein Quelle: Wikipedia

Waffen die scharfe Munition verschießen, sind nicht zur Selbstverteidigung geeignet. Sie sind für Jäger oder zum Schießsport geeignet. Bei der Verteidigung mit einer scharfen Waffe, ist es äußerst wahrscheinlich, dass der Angreifer schwer verletzt wird oder sich im ungünstigen Fall die Waffe aneignet und andere verletzt.

Zur Verteidigung im Notfall gibt es bessere Möglichkeiten. Dazu könnt Ihr eine Kampfsportart erlernen oder eine Selbstverteidigungswaffe zulegen, die den Angreifer außer Gefecht setzt und Euch ausreichend Zeit zur Flucht verschafft. Diese Variante verschafft euch Sicherheit, ohne dass Ihr bei der Verteidigung davon ausgehen müsst, den Angreifer schwer zu verletzen oder gar zu töten (was oft auch rechtliche Konsequenzen mit sich bringt.

Achtung: Unsere Inhalte wurde sorgfältig erstellt, jedoch ändern sich rechtliche Normen und einige sind Auslegungssache. Wir können auf die folgenden Informationen keine Gewähr übernehmen, für eine rechtssichere Beratung sucht bitte einen Anwalt auf. Stand 08/ 2017

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