Das Karate Training muss man selbst erleben, um es wirklich zu fühlen und verstehen – wir versuchen euch dennoch einen kleinen schriftlichen Einblick zu bieten. Weiterhin findet Ihr Antworten auf häufige Fragen, einen typischen Trainingsablauf sowie Übungstipps für zuhause.

Karate Training

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Videos vom Karate Training

Falls ihr vor Eurem ersten Training bereits einen Blick in eine typische Trainingsstunde werfen möchtet, seht Euch am besten die folgenden Videos an.

Karate Training mit Sven Grote

Karate Kumite Training

Profi Karate Trainings Camp

Karate Training FAQ

Karate Training hat eine Menge Vorteile, ob Karate für Frauen oder für Kinder – es ist eine Sportart, die für die gesamte Familie geeignet ist. Wir stellen euch ein paar Antworten auf häufige Fragen rund um das Karatetraining vor.

Karate erlernen - wie schwer ist es?

Karate lernen kann eine Menge Spaß bereiten, aber auch durchaus gewaltige Anstrengung voraussetzen. Charakteristisch für Karate sind die vielen verschiedenen Schläge und Tritte sowie deren schnelle und präzise Ausführung. Egal ob Schläge, Tritte oder Stöße, es wird bei jeder Technik großer Wert auf die Schnellkraft gelegt. Für die korrekte Ausführung der Techniken wird eine enorme körperliche Fitness benötigt. Der Anfänger kann die Schwierigkeit des Trainings jedoch durch eine geringere Geschwindigkeit an seinen Leistungsstand anpassen und sich im Laufe seines Trainings steigern.

Der Versuch, Hände und Füße aus dem Stillstand heraus möglichst effektiv zu beschleunigen, gehört somit für jeden Karateka, egal ob Anfänger oder Meister, zum täglichen Training dazu und stellt gleichzeitig die größte körperliche Herausforderung dar.

Ist ein Karate Kurs für Anfänger sinnvoll?

Manche Vereine bieten von Zeit zu Zeit frei zugängliche Karate Kurse an, die beispielsweise an einem Samstag oder auch Freitag und Samstag stattfinden. Diese bieten sich als ideale Möglichkeit für diejenigen unter Euch an, die Interesse am Karate haben. Ihr könnt hier Mitglieder des örtlichen Vereins kennen lernen, ein Karate Training miterleben und ein paar Grundübungen lernen.

Es wäre allerdings ein großer Fehler, wenn Ihr meint, nach dem Kurs mit einem schwarzen Gürtel nachhause gehen zu können. Vielmehr sollen diese Kurse dem Verein dazu dienen, neue Mitglieder zu gewinnen und Euch selbst, damit Ihr etwas Neues kennen lernt und vielleicht den Spaß daran entdeckt. Wenn ein paar von Euch hinterher dem Verein beitreten, dann ist doch allen geholfen, nicht wahr?

Welche Karate Techniken sind zur Selbstverteidigung geeignet?

Da Karate zur Verteidigung gegen überlegene Gegner entwickelt wurde, sind nahezu alle Techniken für die Verteidigung geeignet. Es bestehen allerdings zwei Gefahren bei der Anwendung. Erstens können nicht alle Karate Techniken mit jeder Kleidung ausgeführt werden. So wird es beispielsweise sehr schwer, einen hohen Tritt einzusetzen, wenn Ihr eine enge Jeans tragt. Die zweite Gefahr ist die Effektivität der Techniken. Angriffe auf empfindliche Zonen, wie etwa Hals oder Unterleib, können sehr schnell ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen.

Bedenkt, wenn Ihr Karate zur Selbstverteidigung einsetzt, dass überzogene Gegenwehr bestraft werden kann, obwohl Ihr Euch offensichtlich nur verteidigt habt. Das deutsche Justizsystem nennt diesen Fall „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“.

Wie läuft ein Karate Training ab?

Im Ablauf des Trainings kann es deutliche Unterschiede geben. Die Feinheiten richten sich danach, worauf Euer Verein spezialisiert ist. Ein Wettkampfverein in der Kategorie Kumite setzt andere Schwerpunkte als ein Kata-Wettkampfverein, vom Verein, welcher nur zur sportlichen Ertüchtigung auf Gürtelprüfungen vorbereitet, ganz zu schweigen. Es gibt allerdings Karate Übungen, die in jeder Trainingseinheit in verschiedener Form vorkommen und diese sollt Ihr hier kennenlernen.

1. Die BegrüßungBeim Betreten der Halle ist es üblich, auf der Türschwelle kurz innezuhalten und sich in Richtung der Mitte des Dojos, der Trainingshalle, zu verneigen. Dies gilt als Zeichen des Respekts vor der gemeinsamen Trainingsstätte und vor jenen Karateka, die bereits anwesend sind. Die Begrüßung mit dem Sensei, dem Trainer, erfolgt auf die traditionelle japanische Art, wie sie bei vielen anderen Kampfsportarten anzutreffen ist. Der Ablauf kann minimal variieren, wenn der Sensei einzelne Teile weglässt. In diesem Fall folgt Ihr einfach den Bewegungen der anderen Schüler.

Wenn der Sensei das Zeichen gibt, zu beginnen, stellen sich alle Schüler an einer gedachten Linie auf, welche vom erfahrensten Schüler vorgegeben wird. Auf Zeichen des Sensei wird sich voreinander verneigt (sollten Gasttrainer oder andere Würdenträger anwesend sein, geschieht das Gleiche noch einmal vor diesen), dann nehmen auf den Befehl „Seiza!“ alle zusammen eine kniende Position ein, bei der das Gesäß auf den am Boden abgelegten Fersen ruht.

Der erfahrenste Schüler gibt das Signal „Mokuso!“, was soviel bedeutet wie Meditation. Daraufhin herrscht Ruhe, so dass alle Schüler und Lehrer ihren Kopf von Gedanken befreien, um sich ganz auf das Training konzentrieren zu können. Auf die Worte „Mokuso yame, sensei ni rei!“ folgt eine tiefe Verbeugung, bei der die Stirn fast den Boden berührt. Die Fingerspitzen werden dabei neben dem Kopf abgelegt. Anschließend gibt der Sensei das Zeichen, sich wieder zu erheben und alle zusammen schließen die Begrüßung mit einer weiteren Verbeugung ab.

2. Die AufwärmphaseNach der Begrüßung folgt das Aufwärmen mit verschiedenen Laufübungen oder laufintensiven Sportarten. Das kann zum Beispiel mit klassischen Ballsportarten wie Fußball oder Brennball geschehen, oder der Trainer schickt Euch durch einen kleinen Hindernisparcours. Das Wichtigste ist hierbei, dass Ihr Euch sehr viel bewegt und dabei möglichst viele Muskelgruppen ansprecht. Die Aufwärmphase dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und wird mit ein paar Dehnübungen abgeschlossen.
3. Grundschule (Kihon)Im Kihon, auch Grundschule genannt, werden einzelne Techniken oder deren Kombination trainiert. Im Regelfall stehen die Schüler hier in einer Linie und der Sensei gibt die Kommandos. Beim Kihon entsteht das Bild, welches Ihr aus den Kampfsportfilmen kennt, nur dass fast alle Techniken mit einer Bewegung ausgeführt werden.
4. KataDie Kata, der Formenlauf, bezeichnet eine Abfolge von Bewegungen und Techniken nach einem vorgeschriebenen Muster. Diese Karate Techniken werden Euch im ersten Moment recht nutzlos erscheinen, wenn es um die Selbstverteidigung geht, was daran liegt, dass sie von ihren Schöpfern „verschlüsselt“ wurden, damit nicht jeder ihren Sinn erkennt. Während die Kata beim Karate für Anfänger nur wenige Techniken enthalten, so steigt der Anspruch mit dem Trainingsfortschritt des Schülers an. Spätere Kata beinhalten deutlich mehr Techniken mit höherem Schwierigkeitsgrad und müssen mit größerer Geschwindigkeit ausgeführt werden.
5. BunkaiZum Karate lernen unverzichtbar ist das Bunkai, welches die Analyse der Techniken einer Kata beinhaltet. Schließlich war Karate zu jener Zeit, als diese Kata erfunden wurden, strengstens verboten und wurde nur mündlich vom Meister zum Schüler weitergegeben. Manchmal wird versucht, die Bewegungen der Kata eins zu eins auf einen Kampf mit Gegner zu übertragen, was allerdings nur sehr selten in sinnvollem Zusammenhang funktioniert. Es gibt im Bunkai kein „Richtig“ oder „Falsch“, solange die Anwendung funktioniert, daher kann die Interpretation der Kata auch von Trainer zu Trainer unterschiedlich ausfallen.
6. KumiteDas Kumite, der Kampf mit Partner, besitzt viele Formen, deren Schwierigkeit mit Eurem Ausbildungsfortschritt ansteigt. Im Training bezeichnet das Kumite die Übung mit einem Partner, wobei der Angriff anfangs angesagt wird, um eine richtige Anwendung der passenden Blocktechnik zu erlernen. Bei erfahrenen Schülern oder Meistern ähnelt ein Kumite dann eher einem Freikampf, da keine Techniken mehr angesagt werden und ein gewisser Fluss in der Übung entsteht.

Für ein „freies“ Kumite ohne Ansagen oder Vorgaben benutzen manche Trainer auch den Begriff Randori, was nichts weiter ist, als ein lockerer Übungskampf, bei dem es nicht ums Gewinnen geht.

7. FreikampfEin Freikampf, in dem annährend auf Wettkampfniveau trainiert wird, muss nicht in jedem Karate Training enthalten sein. Es hängt von der Spezialisierung Eures Vereins und von Euren individuellen Fähigkeiten ab, ob Ihr mit diesem konfrontiert werdet. Ihr braucht jedoch keine Angst haben, wenn es dazu kommt, denn auch der Wettkampf unterliegt einigen Regeln.

Aus welchen Elementen besteht ein Training?

Die Trainingseinheit beim Karate besteht aus verschiedenen Elementen, das gesamte Training dauert in der Regel zwei Stunden. Nach der Begrüßung folgt das Aufwärmen, was etwa in der Form von Laufübungen, Hindernisparcours oder auch unter Zuhilfenahme von Ballsportarten geschehen kann und auf keinen Fall zu kurz gestaltet werden darf, um Zerrungen zu vermeiden. Ein paar Dehnübungen runden die Aufwärmphase ab.

Danach beginnt Euer eigentliches Karatetraining, welches im Wesentlichen in 4 Abschnitte eingeteilt werden kann.

KihonKihon, oder auch Grundschule, bezeichnet das üben einzelner Techniken ohne Gegner. In Filmen wird das Kihon oft statisch dargestellt, also im Stand ohne Bewegung der Füße, was aber in der Wirklichkeit nicht zutrifft. Ihr werdet sehen, dass sehr viele Techniken mit einer Bewegung des gesamten Körpers verbunden sind.
KataIn der Kata, was übersetzt „Form“ bedeutet, trainiert Ihr eine Aneinanderreihung von Techniken gegen mehrere imaginäre Gegner, deren Reihenfolge und Ausführung genau vorgeschrieben ist. Hochrangige Karateka müssen sich noch eingehender mit den Kata und ihrer Bedeutung auseinandersetzen, für den Anfänger jedoch reicht es aus, um den Ablauf der Kata zu wissen.
Kumite Im Kumite kommen Eure im Kihon erlernten Techniken am Gegner zum Einsatz. Allerdings müsst Ihr dringend zwischen dem Kumite im Training und dem Kumite im Wettkampf unterscheiden. Im Wettkampf bezeichnet Kumite den simulierten Kampf gegen einen Gegner, welchen wir im Training als Freikampf bezeichnen. Es gibt Varianten des Kumite im Training, in denen Eure Techniken fest vorgeschrieben sind und andere, in denen Ihr frei wählen dürft. Wichtig ist aber, dass Ihr bei jeder Technik auf eine saubere Ausführung achtet.
Freikampf Der Freikampf erwartet Euch erst nach mehreren bestandenen Prüfungen und hat das Ziel, einen realen Kampf zu simulieren, wobei harte Treffer auf jeden Fall zu vermeiden sind. Ihr sollt vielmehr lernen, Eure Angriffs- und Blocktechniken aus der Situation heraus einzusetzen, ohne dass Euch und Eurem Partner Abläufe vorgegeben werden.

Beendet wird die Trainingseinheit mit einer Verabschiedung, die mit der Begrüßung identisch ist.

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